Geschichtliches

Ursprünglich war das Landesgericht Steyr im alten Kreisgerichtsgebäude am Stadtplatz 13 in Steyr untergebracht. Dieses Gerichtsgebäude wurde 1847 als „Kreisamtsgebäude“ errichtet und war zunächst der Sitz des k.k. Amtsgerichtes. Auf einem Stich aus dem Jahre 1584 von Wolfgang Hauser ist bereits das Vorläufergebäude erkennbar, das nach seinem Ausbau zur Stadtkaserne (früher Hirschenhaus genannt) bis um 1845 bereits öffentlichen Zwecken diente.

In den Jahren 1912/1913 wurde das Gerichtsgebäude durch einen Zu- und Umbau erweitert, eine weitere im Jahr 1962 geplante Aufstockung scheiterte allerdings aus stadtbildpflegerischen Gründen.

Auf Grund zunehmender Raumknappheit wurde Ende der 1970er Jahre beschlossen, den „prominenten Standort am Stadtplatz in Steyr zu räumen und in einen weniger zentral gelegenen Neubau zu übersiedeln“. Nach Durchführung eines öffentlichen Wettbewerbes, aus dem im Herbst 1982 die Architektengemeinschaft „Atelier 18“ als Sieger hervorging, sollte es noch bis zum 5. Juli 1985 dauern, ehe der feierliche Spatenstich durchgeführt wurde. Die Aufnahme des Dienstbetriebes erfolgte am 23. Dezember 1986; die feierliche Übergabe – in Anwesenheit von Justizminister Dr. Edmont Foregger – war am 11. Mai 1987.

Das neu errichtete Gerichtsgebäude, das auch das Bezirksgericht Steyr sowie die Staatsanwaltschaft Steyr beherbergt, steht ebenso auf historischem Boden: Hier stand einst das über sechs-siebenhundert Jahre zurückzuverfolgende Landgut „Stiglhof, dann Neulust“ in der ehemals zu Garsten gehörigen Ortschaft Sarning.

Die Lage des neugebauten Objektes wurde so gewählt, dass der Hauptzugangsbereich nicht nur die analogen Bereiche der benachbarten Bezirkshauptmannschaft Steyr-Land und der Wirtschaftskammer mit einbindet, sondern auch den Mittelpunkt dieser öffentlichen Zone bildet.

Im Verlaufe der letzten Jahre kam es zu mehreren kleineren Umbauten. So wurde zunächst im Erdgeschoß ein Mehrzwecksaal geschaffen, im Jahr 1996 erfolgte ein weiterer Umbau, um den gesteigerten Raumbedürfnissen, bedingt durch das Strafprozessreformgesetz 2007, Rechnung zu tragen.

Der bedeutendste Neu- und Funktionsumbau erfolgte im Jahr 2013: Hervorgerufen durch die Gerichtsstrukturreform 2012, die mit 1. Jänner 2014 zu einer Zusammenlegung der Bezirksgerichte Enns und Weyer mit dem Bezirksgericht Steyr als aufnehmendes Gericht führt, wurden im gesamten Gerichtsgebäude bauliche Veränderungen sowie Sanierungen nötig. Nach den Plänen der HERTL ARCHITEKTEN ZT GMBH wurden 5 Verhandlungssäle im 2. Obergeschoß aufgelöst und zu Büroräumen adaptiert. Im Innenhof des Gebäudes gruppieren sich nun vier neugeschaffene Verhandlungssäle sowie ein vergrößerter Lehrsaal um eine vom Eingangsbereich des Gebäudes einsehbare Halle. Die Außenverkleidung des Zubaus wird in Cortenstahl ausgeführt. Die Errichtung eines Servicecenters, die Sanierung sämtlicher Bestandsräumlichkeiten, eine Neuverlegung von EDV-Leitungen und Alarmanlagen, die Klimatisierung südseitiger Verhandlungssäle sowie die Schaffung weiterer Sanitäranlagen runden die Gesamtarbeiten, die im Mai 2013 begannen und im Dezember 2013 abgeschlossen wurden, ab.

Christoph Mayer