Geschichtliches

Bereits vor Schaffung des k.k. Bezirksgerichtes im Jahre 1850 diente das ehemalige Gerichtsgebäude in der Vorderstadt der Rechtspflege. Die Grafen Lamberg wurden in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts Eigentümer des Hauses und setzten als fürstliche Lehensrichter der Herrschaft Kitzbühel darin einen Pfleger für einfachere juristische Arbeiten ein, weshalb das Gebäude auch "Pfleghaus" genannt wurde. 1737 kam zum Zimmer des Pflegers ein "Controllor- und Verhörzimmer" dazu, das mit einer schweren Eisentüre versehen war (s. Abb. 1), die später das Grundbuch von den anderen Räumen trennte. Bestandteil des Inventars war auch eine eiserne Truhe mit schwerem Schloss, in der nach unbestätigten Erzählungen Aufzeichnungen über Hexenprozesse aufbewahrt waren und die später als Tresor diente (Abb. 2). Ende des 18. Jahrhunderts diente das Gebäude als "Behausung des Pflegers und des Stadt- und Landrichters". Nach Ende der Lehensgerichtsbarkeit beherbergte es als k.k. Bezirksgericht (ab 1850) neben einer großen Wohnung im 2.Stock die Rentamtskanzlei und das landgerichtliche Archiv im Erdgeschoß und 4 Kanzleien im 2. Stock. Am 1. April 1902 wurde unter dem damaligen Richter Dr. Schwaigl das Grundbuch eröffnet. Im Jahre 1926 - inzwischen war Dr. Haßlwanter Gerichtsvorsteher - ging das Haus an den österreichischen Bundesschatz und wurde zum Bezirksgericht und Postamt umgebaut (Abb. 3). Nach dem 2. Weltkrieg - von 1938-1954 war Dr. Felix Egger Gerichtsvorsteher - siedelte das Postamt aus, sodass den steigenden gerichtlichen Aufgaben durch räumliche Erweiterung auf das gesamte Gebäude Rechnung getragen werden konnte, bevor anfangs der 80-er Jahre unter Dr. Kurt Schennach, der nach Dr. Heinrich Krauhs (1955-1975) bis 2000 Gerichtsvorsteher war, der Neubau des Bundesamtsgebäudes erfolgte. Nach den Umzugsarbeiten übersiedelten am 6. Februar 1985 die Bediensteten in die neuen Räumlichkeiten in der Wagnerstraße, lediglich die Verlegung des Grundbuches geschah erst im Dezember 1985. Am 10. Mai 1985 wurde auch die neu geschaffene Justizschule feierlich eröffnet, in weiterer Folge aus- und umgebaut und in "JBZ - Justizbildungszentrum" umbenannt. Eine einschneidende Änderung erfuhr das seit 2000 von Dr. Peter Gurschler geleitete Bezirksgericht Kitzbühel im Jahre 2002 durch die Eingliederung des Bezirksgerichtes Hopfgarten. Seither werden die anfallenden Rechtssachen von 5 RichterInnen, 7 Diplom - RechtspflegerInnen und den weiteren MitarbeiterInnen bewältigt

Abbildungen:
Quelle: Stadtbuch Kitzbühel (Eigenverlag der Stadtgemeinde Kitzbühel)
Abb. 1, 2: Photo L. Ullmann
Abb. 3: Photo H. Walch