Millionenschwerer Internetbetrug mit Prominenten-Fakenews: International agierende Callcenter in Albanien ausgehoben
- Täter erbeuteten europaweit mindestens 50 Millionen Euro
- Opfer in Österreich wurden u.a. mit Fake-Videos des Bundespräsidenten und gefälschten Nachrichten über andere Prominente geködert
- Zehn Festnahmen, hunderte Computer und Telefone sowie fast eine Million Euro in bar sichergestellt
Presseinformation, 29.04.2026
Einen gemeinsamen Ermittlungserfolg in einem internationalen Fall von millionenschwerem Internetbetrug konnten die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und das Bundes-kriminalamt mit dem Ausheben dreier Callcenter in Albanien verzeichnen:
Ein kriminelles Netzwerk, das einen groß angelegten Online-Betrug betrieben haben soll, wurde durch gemeinsame Ermittlungen österreichischer und albanischer Behörden mit Unterstützung von Eurojust und Europol zerschlagen. Nach über zwei Jahren Ermittlungs-arbeit konnten zehn Personen festgenommen und rund 900.000 Euro beschlagnahmt werden.
Das kriminelle Netzwerk, das mutmaßlich mehrere Callcenter in der albanischen Hauptstadt Tirana betrieb, soll einen finanziellen Schaden von mindestens 50 Millionen Euro verursacht haben. Die Betrugsopfer befanden sich in Europa und darüber hinaus: unter anderem in Österreich, Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien, Großbritannien und Kanada.
Für den stellvertretenden Leiter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wolfgang Handler war der Zugriff ein wichtiger Schritt bei der Bekämpfung des Internetbetrugs: „Die internationale Betrugswirtschaft kann nur durch internationale Kooperation der Strafverfolgungsbehörden effektiv zerschlagen werden. Hier ist es uns gelungen eine hochprofessionell organisierte Täterstruktur auszuheben, die nicht nur Österreicher um ihr Geld betrogen hat, sondern auch noch das Vertrauen der Bürger in das höchste Amt des Staates für ihre niedrigen Motive missbraucht hat.“
Und der Leiter des Büros für Betrugsermittlungen des Bundeskriminalamts Reinhard Nosofsky ruft dazu auf bei Verdacht auf Betrug umgehend die Behörden einzuschalten: „Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der oft sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat. Diese Täter spielen skrupellos mit Hoffnung, Angst und Scham. Deshalb ist jede Anzeige so wichtig: Sie hilft uns bei den Ermittlungen und schützt andere davor, dass ihnen dasselbe passiert.“
Internationale Ermittlungen durch WKStA und Bundeskriminalamt eingeleitet
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt hatten die Ermittlungen aufgrund einer Häufung an Taten in Wien im Juni 2023 eingeleitet. Mit Unterstützung von Eurojust war eine gemeinsame Ermittlung mit den albanischen Behörden gestartet worden, die am 17. April 2026 in einem koordinierten Zugriff gipfelte: Drei Callcenter wurden ausgehoben und neun Privatwohnungen durchsucht. Dabei wurden insgesamt zehn Personen festgenommen und rund 450 Computer (443 Standcomputer und 6 Laptops), 238 Mobiltelefone sowie rund 900.000 Euro in bar (genau: 891.735 Euro) sichergestellt. Ebenso wurden diverse Datenträger und Speichermedien beschlagnahmt. Die vorgefundenen Callcenter waren professionell eingerichtet und organisiert und ähnelten legitimen Geschäftsstrukturen mit klarer Aufgabenteilung und hierarchischer Führung. Die sichergestellten Daten sollen nun weitere Einblicke in das kriminelle Netzwerk ermöglichen.
Fake-Videos des österreichischen Bundespräsidenten: Anlageversprechen zu schön, um wahr zu sein
Um potenzielle Anleger zu ködern, nutzten die Täter manipulierte Medieninhalte. In Österreich schalteten sie irreführende Online-Werbung für angeblich gewinnbringende Investitionen auf vermeintlich seriösen Anlageplattformen. Via Social Media verbreiteten sie gefälschte Videos des österreichischen Bundespräsidenten, manipulierte Auftritte der ZiB-Moderator:innen Armin Wolf und Nadja Bernhard und erstellten fingierte Nachrichtenartikel. Darin wurden prominente Persönlichkeiten wie Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer, Fußballprofi David Alaba, Ex-Skistar Hermann Maier, TV-Moderator:innen Armin Assinger und Mirjam Weichselbraun oder der Satiriker Christoph Grissemann missbräuchlich als angebliche Unterstützer dargestellt.
Nach Registrierung auf diesen Anlageplattformen meldeten sich sogenannte „Kunden-betreuer“, die sich als Anlageberater oder Broker ausgaben. Diese Betreuer verwalteten die Konten der Opfer über längere Zeiträume und nutzten dabei häufig Fernzugriffssoftware, um die volle Kontrolle über deren elektronischen Geräte zu erlangen. Die Betrüger gaben sich als Experten aus und setzten die Betroffenen mit fälschlicherweise vorgaukelte Gewinnen unter psychologischen Druck weiteren Investitionen zu tätigen. In Wahrheit dürften die Gelder aber nie investiert worden, sondern in ein komplexes internationales Geldwäschenetzwerk geleitet worden sein, wo sie in den Händen der kriminellen Organisation verschwanden.
Betrug und Folgebetrug
Diese hohe Organisationsdichte ermöglichte groß angelegte, grenzüberschreitende Betrugsoperationen. Die Verdächtigen dürften ihre Opfer getäuscht haben, indem sie ihnen falsche Investitionsmöglichkeiten vorgaukelten und sie davon überzeugten, dass überwiesene Gelder in ihrem Namen angelegt würden. Infolge dieser Betrügereien überwiesen die Opfer erhebliche Summen, nach derzeitigen Ermittlungsergebnissen über 50 Millionen Euro.
Zu allem Überfluss kontaktierten die Täter jene Opfer erneut, die bereits durch betrügerische Plattformen Verluste erlitten hatten: Sie gaben sich als Behörden, Rechtsanwälte oder andere vertrauenswürdige Dienstleister aus, die gerade jenen Betrugsfall bearbeiten würden, mit dem die Opfer gerade ihr Geld verloren hatten, und boten ihnen an die verlorenen Gelder zurückzubringen. Dazu sollten die Betroffenen eine Gebühr von 500 Euro auf einer Kryptowährungsplattform entrichten – womit sie aber lediglich erneut betrogen wurden.
Kriminelle Callcenter mit Firmencharakter
Die Mitarbeiter waren in Teams von sechs bis acht Personen organisiert und jeweils auf eine bestimmte Sprache spezialisiert (darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch und Spanisch), um die jeweiligen nationalen Märkte zu bearbeiten. Wie bei Anlagebetrug üblich, wird die Sprachkenntnis genutzt, um Vertrauen aufzubauen.
Die Größe und Professionalität des kriminellen Netzwerks zeigten sich in dessen Struktur mit bis zu 450 Mitarbeitern in verschiedenen Abteilungen, darunter Kundengewinnung durch sogenannte „Conversion Agents“ und Kundenservice durch „Retention Agents“. Darüber hinaus verfügte das Netzwerk über eigene Teams für Management, Finanzen, IT, Personalwesen und diverse Backoffice-Tätigkeiten. Teamleiter überwachten die täglichen Aktivitäten ihrer Teams, während ein Manager in jedem Callcenter die Teamleiter und den gesamten Betrieb koordinierte und leitete. Die Mitarbeiter erhielten ein monatliches Gehalt von rund 800 Euro sowie eine progressive Provision pro erfolgreich abgeschlossenem Vertrag, die teils bar, teils sogar per Banküberweisung ausgezahlt wurde.
Joint Investigation Team durch Eurojust, virtuelle Kommandozentrale durch Europol
Für
die internationalen Ermittlungen gründete die Wirtschafts- und
Korruptionsstaatsanwaltschaft über die europäische Koordinierungsstelle
Eurojust ein sogenanntes Joint Investigation Team mit der albanischen
Staatsanwaltschaft, die für die Ermittlungen vor Ort zuständig war. Zur
Unterstützung der operativen Maßnahmen wurden Europol-Experten eingesetzt, die erfolgreich
große Datenmengen sicherten, die für die strafrechtlichen Ermittlungen relevant
sind. Diese Daten werden nunmehr mit den Ermittlungsbehörden anderer
betroffener Länder geteilt. Zur Unterstützung des Zugriffs vor Ort ist darüber
hinaus eine virtuelle Kommandozentrale eingerichtet worden, um den Austausch
von Daten und Beweismitteln zu erleichtern.
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Disclaimer: In der heutigen Pressekonferenz wurden dabei auch die entsprechenden Screenshots der betrügerischen Fakenews zur Veranschaulichung gezeigt. Diese finden sich im Download unterhalb. Achtung: Diese gesicherten Beweismittel dienen zur Dokumentation der betrügerischen Vorgangsweise der Täter und der Warnung der Bevölkerung vor derartigen Betrugsversuchen. Sie dürfen ausschließlich in Nachrichtenmedien im Zusammenhang mit der Berichterstattung zu diesem Internetbetrugsfall verwendet werden - und müssen eindeutig als Fälschung bzw. Fakenews gekennzeichnet werden.
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Rückfragen & Kontakt:
Wirtschafts-
und Korruptionsstaatsanwaltschaft
Medienstelle
+43 676 8989 23115
medienstelle.wksta@justiz.gv.at
www.justiz.gv.at/wksta
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