Familiengerichtshilfe ab 1. Juli 2014 österreichweit verfügbar

Ab 1. Juli 2014 steht die Familiengerichtshilfe den Bezirksgerichten österreichweit flächendeckend zur Verfügung.

 

 Justizminister Dr. Wolfgang Brandstetter zeigte sich heute erfreut über den Abschluss des bundesweiten Ausbaus der Familiengerichtshilfe. Demnach können ab sofort alle Bezirksgerichte in ganz Österreich die Unterstützung dieser jungen Einrichtung nutzen.

"Mit dem heutigen Vollausbau ist es gelungen, die Familiengerichtshilfe innerhalb kürzester Zeit von einem Modellprojekt zu einem österreichweiten Erfolgsmodell auszubauen. Dank des Einsatzes der Familiengerichtshilfe können vor Gericht schnellere und vermehrt einvernehmliche Lösungen gefunden werden", so Brandstetter heute.

Neben Brandstetter begrüßten auch die Präsidenten der Oberlandesgerichte den mit dem heutigen Tag abgeschlossenen Vollausbau:

"Ich habe als ehemaliger Familienrichter immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Eltern in Krisensituationen unter dem Eindruck erlittener Kränkungen nicht in der Lage sind, miteinander zu sprechen und deshalb ihr Kind mit oft unerfüllbaren Erwartungshaltungen überfordern. Die Familiengerichtshilfe ist eine wertvolle Einrichtung, weil sie in Streitigkeiten um die Obsorge oder um das Kontaktrecht hilft, am Wohl des Kindes und den Bedürfnissen der Eltern orientierte einvernehmliche Regelungen zu treffen. Wo dies nicht gelingt, gibt sie dem Gericht durch ihre fachlich fundierte Stellungnahme eine wertvolle Entscheidungshilfe an die Hand", so Dr. Manfred Scaria, Präsident des Oberlandesgerichtes Graz.

"Nach den bisherigen positiven Erfahrungen können wir bereits sagen, dass die Familiengerichtshilfe ein Erfolgsmodell der Justiz ist. Es werden nun häufiger gütliche Einigungen zwischen den Eltern und eine höhere Akzeptanz gerichtlicher Entscheidungen erreicht - zusammengefasst also nachhaltigere Lösungen familiärer Konflikte", betonte der Präsident des Oberlandesgerichtes Wien Dr. Anton Sumerauer.

"Die Einführung der Familiengerichtshilfe ist eine der wichtigsten und innovativsten Errungenschaften der Justiz in den letzten Jahrzehnten. Sie unterstützt nicht nur die Familienrichter in einem der schwierigsten Bereiche der Rechtsprechung, sondern ermöglicht vor allem auch, die Interessen der von den Konflikten zwischen den Eltern oft traumatisierten Kinder besser wahrzunehmen und zu schützen", ist Dr. Johannes Payrhuber-Wolfesberger, Präsident des Oberlandesgerichtes Linz überzeugt.

"Die Familiengerichtshilfe ist eine unverzichtbare Einrichtung zur niederschwelligen Streitschlichtung in Obsorge- und Besuchsrechtsstreitigkeiten geworden. Sie ist im Bedarfsfall `schnell bei den Familien` und trägt in hohem Maß zur Deeskalation bei familiären Konflikten bei. Die Einbindung der Familiengerichtshilfe vor einer gerichtlichen Entscheidung erhöht die Akzeptanz der Entscheidung", so Dr. Klaus Schröder, Präsident des Oberlandesgerichtes Innsbruck.

 

Mit der Familiengerichtshilfe werden den FamilienrichterInnen in Angelegenheiten der Obsorge und des Rechts auf persönliche Kontakte SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und PädagogInnen zur Seite gestellt. Die Familiengerichtshilfe wird auf Auftrag des Gerichts tätig und hat folgende wesentliche Aufgaben:

  • Clearing (Anbahnung einer gütlichen Einigung/Aufzeigen von aussichtsreichen Maßnahmen)
  • Sammlung von Entscheidungsgrundlagen (Durchführung spezieller Erhebungen), zB: Hausbesuch, Beobachtung einer Übergabe bei Besuch eines Elternteiles
  • Fachliche Stellungnahmen
  • Besuchsmittler (Unterstützung Im Kontaktrechtsverfahren oder bei der Durchsetzung der Kontakte)

Ziel ist es also, den RichterInnen bessere Mittel zur Hand zu geben, um familiäre Eskalationen zu beruhigen und eine bessere Grundlage für eine gerichtliche Entscheidung zu schaffen. Durch die Einrichtung der Familiengerichtshilfe sollen die Qualität und die Nachhaltigkeit der Streitschlichtung und der gerichtlichen Verfahren und Entscheidungen verbessert werden.
Die Familiengerichtshilfe wurde nach einem erfolgreichen Modellprojekt mit 1. Februar 2013 an den Projektstandorten eingeführt, seither schrittweise ausgebaut; im Vollausbau verfügt sie nun über 19 Standorte.