Geschichtliches

Ein Land- und Stadtgericht Lienz wird erstmals im Görzer Urbar von 1299 erwähnt. Daneben gab es im Laufe der folgenden Jahrhunderte zahlreiche weitere Einrichtungen mit richterlichen Befugnissen. Erst die “Kaiserliche Verordnung” vom 26.6.1849 war sodann für die heute noch nachwirkende Gerichtsorganisation im “Kronland Tirol und Vorarlberg” maßgebend.

Bei der Bestimmung der Sprengel der Osttiroler Bezirksgerichte wurde damals auf die “hohen Gebirgszüge mit ihren ewigen Eismassen und schroffen Felsenwänden” Bedacht genommen. Ferner fiel ins Gewicht, dass die Bevölkerung selbst “auf hohen Bergesrücken bis nahe an die Schneeregion in einsamen Hütten lebt”.

In Osttirol entsprachen die Sprengel der seinerzeitigen “Landgerichte” jenen der neuen “Bezirksgerichte” Lienz, Sillian und Windisch-Mattrey, die fortan zum Kreisgericht Bozen zählten. Dies änderte sich nach dem ersten Weltkrieg. An die Stelle des Kreisgerichtes Bozen trat das Landesgericht Innsbruck. Die dem Bezirksgericht Sillian unterstehenden Gemeinden Innichen, Sexten, Innichberg, Vierschach, Winnebach und Wahlen mussten an Italien abgetreten werden. Das “verstümmelte” Bezirksgericht Sillian wurde daher im Jahre 1925 aufgelassen und mit dem Bezirksgericht Lienz vereinigt. Eine “Außenstelle” als Abteilung des Lienzer Gerichtes verblieb allerdings in Sillian. Diese wurde im Jahre 1940 wiederum zum selbständigen “Amtsgericht” aufgewertet, fiel aber drei Jahre später “vorläufigen” Einsparungsgründen zum Opfer.

Von 1938 bis einschließlich 1947 zählten die Osttiroler Gerichte zum Sprengel des Land- bzw. ab 1945 des Landesgerichtes Klagenfurt sowie des Oberlandesgerichtes Graz. Im Laufe des Krieges wurde die Zuständigkeit des Amtsgerichtes Lienz auch auf Gemeinden in Oberkärnten erweitert. Am 1.1.1948 erfolgte die Rückkehr zum Landes- bzw. Oberlandesgericht Innsbruck.

Das Jahr 1967 brachte die endgültige Auflassung der im Jahre 1945 wieder eingerichteten Sillianer Abteilung. Das Bezirksgericht Matrei i.O. wurde im Jahre 2002 mit dem Bezirksgericht Lienz verschmolzen.

Die Lienzer Justiz residierte zunächst auf Schloß Bruck und dann ab 1782 in der Liebburg. Seit dem Jahre 1984 ist sie in dem zum Teil neu errichteten Gebäude Hauptplatz Nr. 5 untergebracht.

Seinerzeit gehörte zu einem Bezirksgericht auch ein Gefangenenhaus. Im Lienzer “Kerker”, der 1976 abgebrochen wurde, fanden etwa 30 Insassen Platz. Besonders gut ausgelastet war diese Einrichtung zwischen 1934 und 1945. Nach dem Krieg sorgte das britische Militärgericht für ein volles Haus. Im Laufe der sich normalisierenden Lage ging die Frequenz stark zurück, sodass fallweise auch die “weiße Fahne” als Zeichen leerer Zellen gehisst werden konnte.

Der Sprengel des Bezirksgerichtes Lienz entspricht nunmehr jenem der Bezirksverwaltungsbehörde bei einem Bevölkerungsstand von 49.691 Menschen (2011).