Geschichtliches

Bald 75 Jahre ….


Bezirksgericht Gänserndorf

Der Zweite Weltkrieg zog auch über die regionale Justiz verheerend hinweg; das Gerichtsgebäude in Matzen war zerstört, das Bezirksgericht in Marchegg personell verwaist.

Die Geburtsstunde des Bezirksgerichtes Gänserndorf schlug am 8. Sept. 1945, an welchem Tage mit Verordnung des Staatsamtes für Justiz die Gerichtsstandorte Matzen und Marchegg aufgelöst wurden und Gänserndorf zum neuen Gerichtsstandort bestimmt wurde.

Am 29. Okt. 1945 nahm eine Handvoll Justizbedienstete den Dienstbetrieb mit sehr bescheidenen Mitteln auf; es standen fünf Räume im Gebäude der Bezirkshauptmannschaft und lediglich drei Schreibmaschinen zur Verfügung, einen Telefonanschluss gab es erst ab 1947. Grundbuchagenden wurde disloziert in Retz betreut, jedoch nur während der warmen Jahreszeit, weil die dort gebotenen Räume nicht zu beheizen waren.

Am 15. Aug. 1948 bezog man ein neues, als „provisorisch“ gedachtes Quartier im Rathaus der Stadtgemeinde Gänserndorf; ein Provisorium, das 50 Jahre währen sollte.

Nach abermaliger Auflösung des 1957 wieder eröffneten Bezirksgerichtes Marchegg zum 1.Janner 1992 und Aufnahme seiner Agenden durch das Bezirksgericht Gänserndorf waren an diesem Standort nun drei Richter und 22 Justizbedienstete tätig. Die räumlichen Verhältnisse waren derart beengt und herabgekommen, dass das Bezirksgericht Gänserndorf bald schon als das am schlechtesten untergebrachte Gericht Ostösterreichs galt.

Das „Provisorium“ musste ein Ende finden.

Vor allem dank des außerordentlichen Engagement des damaligen Präsidenten des Oberlandesgerichtes und späteren Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Dr. Erwin Felzmann, konnte im Jänner 1997 mit dem Bau eines modernen Gerichtsgebäudes am heutigen Standort am Marchfelder-Platz begonnen werden, welches letztlich 2,1 Mio € kostete. Schon am 2. März 1998 konnte in diesem Gebäude der Dienstbetrieb auf einer Nettonutzfläche von 2.150 m² aufgenommen werden.

Mit 1. Juli 2002 wurde das Bezirksgericht Groß-Enzersdorf aufgelöst, seine Agenden dem Bezirksgericht Gänserndorf übertragen.

In der Nacht des 23. Juli 2009 beschädigte ein Gewittersturm große Teile des Gebäudes, dessen Dach gerade repariert wurde und daher nur provisorisch abgedeckt war. Die zweite Etage des Gebäudes wurde fast vollständig zerstört.

Mit Auflösung des Bezirksgerichtes Zistersdorf und Aufnahme seiner Agenden durch das Bezirksgericht Gänserndorf am 1. Janner 2013 konnte die angestrebte Deckungsgleichheit des Gerichtsbezirkes mit dem Verwaltungsbezirk erreicht werden.

Heute im Jahre 2019 arbeiten in diesem Gerichtsbezirk

6 Richter und nahezu 30 Justizbedienstete (darunter 4 Gerichtsvollzieher und über 9 Diplomrechtspfleger/innen), 2 Lehrlinge und 1-3 junge, praktisch auszubildende Juristen.

Tätigkeitsnachweis aus der Statistik 2018:

3.888 Zivilstreitigkeiten

11.296 Exekutionen ( darunter 73 Liegenschaftsversteigerungen )

194 Strafsachen

501 Entscheidungen in Obsorge- und Kontaktrechtsangelegenheiten von mj. Kindern

577 Unterhaltsverfahren für Kinder

10.712 Eintragungsgesuche im Grundbuch


(Bericht verfasst vom Vorsteher des BG Gänserndorf HR Dr. Guido Spira am 12.6.2019)