Geschichtliches

Als die Organisation der Gerichte und Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich am 16. Jänner 1850 in Kraft trat, stellte die Stadtgemeinde Baden für das Bezirksgericht und Steueramt Räume im Rathaus am Hauptplatz bis 1. Juli 1855 unentgeltlich zur Verfügung. 1950 bis 1952 mussten jedoch noch weitere Räume im Nebengebäude, Rathausplatz 2, zugemietet werden. 1854 wurde die Lokalität vom gemischten Bezirksamt übernommen. Schon am 1. Juli 1863 wurden allerdings Gerichtsbarkeit und Verwaltung in Vorwegnahme des Verwaltungsreform 1868 wieder getrennt.

1873 wurde von der Stadt Baden das Haus Rathausplatz 2 gekauft, das in der Folge als Bezirksgericht und Gefängnis diente. 1892 wurde das anschließende Nachbargrundstück gekauft und der Entschluss gefasst, alle Gebäude zu renovieren und so das Bezirksgericht im Stadtinneren zu erhalten. Es wurde der Entwurf des Stadtingenieurs J. Schubauer mit 19:4 Stimmen angenommen und bis 1894 umgesetzt. Die so geschaffenen Flächen von 1.466m² wurden schließlich am 20. Dezember 1905 von der Stadt vermietet.

Die Stadtverwaltung benötigte jedoch bald mehr Platz und bemühte sich in der Folge um einen Neubau des Gerichtsgebäudes. Erst 1936 bot sie dafür jedoch kostenlos eine Reihe von Grundstücken an. Da dies nichts fruchtete, wurde sogar der Mietvertrag mit dem Bezirksgericht 1939 wegen Eigenbedarfs aufgekündigt - ein Verfahren, das jedoch in der Berufung am 4. Oktober 1939 verloren wurde. Weitere Angebote der Stadt in den Jahren 1968, 1974 und 1978 Ersatzräume zur Verfügung zu stellen, scheiterten am zu geringen Platzangebot.

Bereits 1977 war wegen der Raumnot und dürftigen Unterbringung der Neubau beschlossen worden. Ein Entwurf von Prof. Plischka wurde nicht ausgeführt. Auf dem Grundstück eines 1945 ausgebrannten Gebäudes am Conrad-von-Hötzendorf-Platz 6 wurde schließlich nach dem Plänen von Architekt DI Herbert Ortner das Amtsgebäude für Bezirksgericht, Vermessungsamt und Gendarmerie errichtet und die Benützungsbewilligung am 12. November 1985 erteilt, woraufhin am 1. Juli 1985 das Bezirksgericht einzog und seinen Betrieb aufnahm.

Im Rahmen der Auflösung einiger Gerichtssprengel ging am 1. Jänner 2004 der Sprengel des Bezirksgerichtes Pottenstein (umfassend die Gemeinden ab Hirtenberg westlich im Triestingtal) im Sprengel des Bezirksgerichtes Baden auf. Gleichzeitig wurden einige Katastralgemeinden an das somit aufgewertete Bezirksgericht Ebreichsdorf abgegeben. In der Folge wurde das Gebäude des Bezirksgerichtes generalsaniert. Am 1. Jänner 2013 wurde seinem Sprengel auch der des mit diesem Datum aufgelösten Bezirksgerichtes Ebreichsdorf eingegliedert, wodurch die Raumnot erneut prolongiert wurde. Das Bezirksgericht Baden ist seither das einzige Gericht im politischen Bezirk Baden.

Quellen:
Viktor Wallner, 100 Jahre Gerichtsgebäude Wiener Neustadt, Bundesministerium für Justiz 1993