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Gerichtssachverständiger im Interview: „Es braucht viel soziale Kompetenz“

Klaus Dreier, Präsident des Landesverbands der Gerichtssachverständigen für die Steiermark und Kärnten, über Emotionen im Verhandlungssaal, was gute Sachverständige ausmacht und warum man mit dem Job so früh wie möglich beginnen sollte.

Was macht die Arbeit als Gerichtssachverständige, als Gerichtssachverständiger spannend?

Es ist die Möglichkeit, mit fachlicher Kompetenz ein Problem zu lösen, das zwei Parteien gegeneinander aufbringt. Dazu kommt, dass man es mit einem sehr breit gestreuten Querschnitt durch die Bevölkerung zu tun bekommt. Auch emotional - weil die Leute einen sehr unterschiedlichen Zugang zu Problemen haben und emotional unterschiedlich reagieren. Darauf müssen sich Sachverständige einstellen können.

Was sind da die Herausforderungen?

Die Wahrheit, die technische Wahrheit meine ich, kommt bei emotionalisierten Parteien und ihren Vertretern nicht immer gut an. Dass ein Gutachten beiden Parteien zu hundert Prozent schmeckt, davon kann man nicht ausgehen. Letztendlich muss man seine Fachmeinung transportieren können.

Wird das mit Erfahrung besser?

Natürlich. Wesentlich ist: Man darf sich nicht selbst emotionalisieren lassen. Man muss Kritik aushalten können. Das fällt nicht immer leicht – es gibt natürlich Situationen, in denen man sich auch als erfahrener Sachverständiger manchmal ärgert (lacht). Aber das muss man runterschlucken.

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Klaus Dreier arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Sachverständiger. Foto: OLG Graz

Was sind positive Erlebnisse im Gerichtssaal?

Es ist immer schön, wenn du aus dem Verhandlungssaal hinausgehst, nach einer Erörterung des Gutachtens oder nach einem gelungenen Vergleichsvorschlag, und beide Parteien signalisieren, dass sie mit deiner Arbeit zufrieden sind.

Würden Sie auch jungen Kolleginnen und Kollegen dazu raten, Sachverständige zu werden?

Je früher, desto besser. Es ist selten das Fachwissen das fehlt, sondern die soziale Kompetenz, das Einfühlungsvermögen in die Parteien und die Kenntnis, wie so ein Verfahren abläuft. Und das ist nichts, was man erst im hohen Alter lernen kann.

Ist die Arbeit komplexer und mehr geworden?

Es wird in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr gestritten. Und es ist natürlich auch so, dass wenn es ums wirtschaftliche Überleben geht, der Ton im Streit harscher wird. Aber es steigen auch die Ansprüche der Konsumenten. Da entstehen oft Missverständnisse, die zu Verfahren führen, die eigentlich vermeidbar sind. Toleranz gegenüber Unzulänglichkeiten nimmt ab und es fehlt oft am Verständnis – besonders für handwerkliche Arbeit.

Ist die Bezahlung angemessen?

Die Bezahlung aller Kolleginnen und Kollegen die im nicht-tarifierten Bereich arbeiten, ist gut, weil sie auf jeden Fall marktkonform ist. Da gibt es nichts zu jammern – im Gegenteil. Man hat auch kein Ausfallsrisiko, wenn man sich an die an die gesetzlichen Vorgaben hält. Man bekommt sein Geld sicher - das ist in der Privatwirtschaft ja nicht immer so.

Wie schwierig ist die Prüfung zum Sachverständigen?

Die Prüfung ist ein Fachgespräch mit Vorsitzendem und zwei Beisitzern. Wenn man eine gute Ausbildung hat und kompetent ist, dann ist diese Prüfung keine Hürde. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Bestehensquote bei 75 Prozent. Es gibt auch Vorbereitungskurse, die ein Wochenende dauern, und bei denen man sehr viel lernt.

Was macht gute Sachverständige aus?

Fachkunde, soziale Kompetenz und eine dicke Haut. Die sollte man schon am Anfang haben. Für Mimosen ist der Job nichts. Was hilft, ist auch eine gute Kenntnis über die Rollen der handelnden Personen im Zivilprozess. Auch um die Anwältinnen und Anwälte zu verstehen, wenn sie ihren Job machen und manchmal angriffiger sind.


Zur Person

Klaus Dreier ist Präsident des Landesverbands der Gerichtssachverständigen für die Steiermark und Kärnten. Sein Fachgebiet ist Hochbau und Architektur. Der Grazer ist seit 1995 als Sachverständiger tätig.


Informationen

Gerichtssachverständige gibt es für die unterschiedlichsten Bereichen wie etwa Sport, Naturschutz, Astronomie, Biologie oder Psychotherapie. Sie sind Helfer des Gerichts und stellen diesem ihr Fachwissen zur Verfügung. Um in die Liste der Gerichtssachverständigen aufgenommen zu werden, müssen Sie zunächst einen Antrag beim zuständigen Landesgericht stellen, nachdem Ihre Zulassungsvoraussetzungen überprüft wurden, werden Sie dann zu einem Rechtskundeseminar eingeladen. Danach folgt eine kommissionelle Prüfung. Weitere Infos unter: www.gerichtssachverstaendige.at