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Gerichtspraxis und Rechtshörerschaft

Zahlreiche Rechtsberufe in Österreich setzen neben dem Abschluss eines rechtswissenschaftlichen Studiums auch eine absolvierte Gerichtspraxis voraus. Diese wird umgangssprachlich oft als „Gerichtsjahr“ bezeichnet. Tatsächlich dauert die Gerichtspraxis derzeit aber sieben Monate.

Wer in Österreich Richter*in, Staatsanwältin bzw. Staatsanwalt, Rechtsanwältin bzw. Rechtsanwalt oder Notar*in werden möchte, muss zuerst die Gerichtspraxis absolvieren. Absolvent*innen rechtswissenschaftlicher Studien haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch drauf, zur Gerichtspraxis zugelassen zu werden.

Und wer bereits während des Studiums den Justizbetrieb kennenlernen möchte, kann als Rechtshörer*in ein unbezahltes Praktikum bei einem Gericht oder einer Staatsanwaltschaft absolvieren.


Gerichtspraxis: Voraussetzungen

Die Zulassung zur Gerichtspraxis setzt einen rechtswissenschaftlichen Studienabschluss voraus.

An den meisten Universitäten in Österreich wird ein Diplomstudium und darauf aufbauend auch ein Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften angeboten. Das gilt beispielsweise für die Universitäten Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg und Wien. Das Diplomstudium wird mit dem akademischen Grad „Magistra bzw. Magister der Rechtswissenschaften“ abgeschlossen, das Doktoratsstudium mit dem Grad „Doktor*in der Rechtswissenschaften“. Bereits der Abschluss des Diplomstudiums ermöglicht den Zugang zur Gerichtspraxis.

Andere Universitäten hingegen bieten ein juristisches Bachelorstudium, ein Masterstudium und (zum Teil auch) ein Doktoratsstudium an. Das ist beispielsweise an der Wirtschaftsuniversität Wien der Fall. Das Bachelorstudium wird mit dem akademischen Grad „LL.B.“, das Masterstudium mit dem Grad „LL.M.“ abgeschlossen. In diesem Fall ist der Abschluss des Masterstudiums (LL.M.) für den Zugang zur Gerichtspraxis erforderlich.

Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung für die Zulassung zur Gerichtspraxis. Auch Personen, die an einer ausländischen Hochschule ein rechtswissenschaftliches Studium erfolgreich abgeschlossen haben, können zur Gerichtspraxis zugelassen werden. Sie müssen allerdings der deutschen Sprache soweit mächtig sein, dass sie dem Gang einer Gerichtsverhandlung folgen können.

Gerichtspraxis: Aufgaben

Die Gerichtspraxis kann an jedem Monatsersten angetreten und durch schriftliche Erklärung jederzeit unterbrochen werden. Rechtspraktikant*innen sollen den Gerichtsbetrieb möglichst umfassend kennenlernen. Zu diesem Zweck wird eine Zuteilung zu verschiedenen Gerichten vorgenommen. Rechtspraktikant*innen werden für konzeptive Arbeiten, aber auch als Schriftführer*innen eingesetzt.

Gerichtspraxis: Anmeldung

Für die Zulassung zur Gerichtspraxis sind die Präsident*innen der Oberlandesgerichte zuständig. Rechtspraktikant*innen stehen in einem Ausbildungsverhältnis zum Staat und erhalten für ihre Tätigkeit einen sogenannten Ausbildungsbeitrag. 

Den Antrag auf Zulassung zur Gerichtspraxis richten Sie an die Präsidentin bzw. den Präsidenten des zuständigen Oberlandesgerichts. Alle Informationen dazu entnehmen Sie bitte dem Informationsangebot des jeweiligen Oberlandesgerichts:


Rechtshörerschaft

Bereits während des rechtswissenschaftlichen Studiums besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines freiwilligen, unbezahlten Praktikums die Tätigkeit von Richter*innen oder von Staatsanwält*innen kennen zu lernen. Zu den Aufgaben von Rechtshörer*innen zählen die Vorbereitung leichter Erledigungen und die Teilnahme an Gerichtsverhandlungen.

Eine Rechtshörerschaft dauert 6 bis 8 Wochen, kann jedoch flexibel vereinbart werden. Die Bewerbung erfolgt schriftlich mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und bisherigen Studiennachweisen direkt an das gewünschte Gericht oder die gewünschte Staatsanwaltschaft. Unter Kontakt zu den Gerichten und Staatsanwaltschaften finden Sie die Adressen.


Link
Rechtspraktikantengesetz (RPG)